Probleme der heutigen Serienphase

Hier ist der Platz für alles, was sonst keine passende Kategorie findet – oder wenn ihr unsicher seid, wohin es gehört. Wir verschieben es bei Bedarf.
Antworten
Benutzeravatar
Perry Clifton
Boardteam
Boardteam
Beiträge: 984
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 10:59
Wohnort: Niedersachsen
Geschlecht: Männlich
"Gefällt mir" gedrückt: 76 x
"Gefällt mir" erhalten: 85 x
Alter: 41
Status: Offline

Probleme der heutigen Serienphase

Beitrag von Perry Clifton »

Ich habe länger darüber nachgedacht, wie ich meine aktuellen Gedanken unter einen Hut bringen könnte und habe mich dazu entschieden, es in Form eines Sammelthreads für Probleme zu machen, den die jetzige Serienphase bzgl. der Geschichten (also eigentlich der Bücher bzw. ihrer Autoren) eurer Meinung nach hat. Was verdirbt euch den Spaß, wenn eine Folge für euch nicht gut geworden ist? Was tritt regelmäßig auf?

Soll heißen: positive Aspekte der Serie gerne in vielen anderen Threads besprechen, aber hier darf ausgiebig genörgelt werden :::DD:::

(Ein Gegenthema für besonders gelungene Aspekte oder Folgen darf natürlich auch gerne eröffnet werden ;-))

1. Ich fange mal an mit einem ganz allgemeinen Thema, das man schon oft gehört hat. Deswegen halte ich es auch eher kurz: Die Welt der Drei Fragezeichen ist arm geworden an guten, interessanten, wiederkehrenden Nebenfiguren. Sympathische Figuren, die nicht durch eine Geschichte "verbraucht" werden, die aber trotzdem etwas beitragen und dann regelmäßig wieder vorkommen. Ja, Versuche werden immer mal wieder unternommen, aber selten bleibt irgendetwas positiv hängen. Das letzte gelungene Beispiel: Lesley Dimple von vor über 100 Folgen, imho Q_Q Das heißt natürlich, bevor Minninger den Charakter in die Finger bekommen hat... und da haben wir auch gleich den Grund: Gute, etablierte Nebencharaktere von früher werden "verbraucht". Sie werden in Geschichten mit einem unaufgelösten Konflikt beladen und funktionieren danach nicht mehr. Deshalb werden es immer weniger. Soweit mein Eindruck einer generellen Regel, einzelne Ausnahmen lassen sich sicher finden. (Hier sei natürlich nicht unerwähnt, dass gerade die Rocky Beach Crimes angefangen haben, in dieser Richtung viel richtig zu machen; davon hat die Hauptserie allerdings nichts...)

2. Was gleich zu meinem zweiten betrachteten Punkt führt, der ein Stück weit auch mit der Frage verbunden ist, wie es mit erwachsenen Themen innerhalb der Serie aussieht. Gedanken dazu siehe im entsprechenden Thread :-) Hier wollte ich allerdings auf einen anderen Aspekt eingehen, der mir neulich in einer Diskussion über gute und schlechte Tipps für Schriftsteller unterkam, die von erfolgreichen Schriftstellern gehalten wurde, und der u.a. damit zu tun hat, dass es oft als besonders erwachsen oder tiefschürfend wahrgenommen wird, (gerade bei DDF) wenn Charaktere schwere innere Konflikte austragen müssen, die ihr Leben ruinieren; besonders Hauptcharaktere. Es gibt also nicht wenige Schriftsteller, die sich an den vermeintlich guten Tipp halten, dass man einer Figur nur "einen Schraubenschlüssel ins Getriebe" werfen muss und dass dann ein innerer Konflikt entsteht, und Konflikt = gut = Geschichte. Falsch. ;-)

Natürlich gehören Konflikte zu einer guten Geschichte dazu. Nur nicht als Absolutum und auf Teufel komm raus. Und es steht nirgendwo geschrieben, dass die persönlichen Schwächen eines Charakters dessen eigenes Leben ruinieren müssen. Genau darauf läuft es allerdings bei manchen Schriftstellern hinaus und zwar immer und regelmäßig, weil sie diese Regel nicht richtig anwenden können. Die Losung lautet: Ein Konflikt muss nicht immer ein innerer Konflikt sein, er muss nicht unauflösbar sein und der Charakter muss nicht daran zerbrechen. Denn das ist eine ebenso billige wie vorhersagbare und einengende Erzählweise. Sehr limitiert. EIne Vielzahl an Möglichkeiten fällt unter den Tisch und die Figuren sind danach konsequenterweise nicht mehr benutzbar. Siehe den oberen Punkt. Nun gibt es bei DDF ja ein paar Autoren, die auf diese Methode geradezu schwören. Die Zeit, in der das am ausgeprägtesten war, scheint zum Glück vorbei, aber es kommt immer mal wieder vor. Siehe zum Beispiel die Rückkehr von Patrick und Kenneth bzw. den "neuen" Kenneth hinterher...

Diese Scheibmethode ist jedoch eher etwas, was man in Fan Fiction oder bei unerfahrenen Schriftstellern erwarten würde, die anderweitig keine Spannung aufbauen können, imho. Nimm einen Charakter, lass ihn über die eigenen Beine stolpern und sieh zu, wie er auf die Nase fliegt. Abracadabra: Buch fertig. War das in den Klassikern auch so? Nö. Sonst wäre die Serienwelt nicht so angewachsen. Ich habe das früher immer mit Dekonstruktion anstelle von Kreativität beschrieben. Aber man kann auch einfach sagen: Es müssen nicht alle Figuren ständig an sich selbst kaputt gehen :::oMo:::

3. Aufbauend nun auf den vorherigen beiden Punkt etwas anderes, das mir aufgefallen ist: Der Grusel der Serie hat ja schon lange nicht mehr richtig funktioniert, von Ausnahmefällen mal abgesehen. Liegt das nur daran, dass die Zeiten sich geändert haben oder dass die heutigen Schriftsteller es nicht mehr können?

Nein, ist mir klargeworden. Es liegt auch nicht daran, dass Themen "schon oft da waren" und nun nicht mehr funktionieren. Klar, mancher DDF-Autor stellt sich selbst ein Bein, indem er schon von vornherein gar nicht mehr den Versuch macht, eine Geistererscheinung glaubwürdig zu machen, zumindest bis sie dann aufgelöst wird. Aber ich muss tatsächlich mal für die Autoren sprechen, die sich in dieser Hinsicht trotzdem Mühe geben und scheitern: Es geht tatsächlich nicht mehr anders heute. Aber nur bei DDF. Und das liegt an den Figuren.

Die Geistergeschichten funktionierten nur, solange DDF Kinder waren, die diese Erscheinungen "glaubhaft geglaubt haben" um es mal so auszudrücken. Kinder in Kinderbüchern, die von Kindersprechern in Hörspielen gesprochen wurden.

Hingegen ist es fast unmöglich, nach 200 Folgen mit Figuren, die schon alle möglichen Erfahrungen gemacht haben, über Crimebusters bis hin zu mörderischen Psychologinnen und Atomraketen, die auch schon alle möglichen Dekonstruktionsbemühungen über sich ergehen lassen mussten wie bei Justus/Brittany/Hugenay oder Bob/Franklin usw. und die von 50 jährigen Männern gesprochen werden, noch Geschichten über vermeintliche Geistererscheinungen in alten Spukhäusern zu schreiben, wo ein Mann unterm Laken die Nachbarin vertreiben will.

Aber, und das ist die große Erkenntnis: Es liegt nicht an der heutigen Zeit, nicht an den Autoren (es sei denn, sie haben bei den oben genannten Faktoren aktiv mitgewirkt), nicht an den Lesern, nicht an den Grundideen mit den natürlich erklärbaren Geistern im Jahr 2024... es liegt an den Figuren. Diese geben das nicht mehr her, weil sie sich nicht mehr glaubhaft vor Geistern fürchten können. Daher sind alle Versuche, das Thema bei DDF wieder aufzunehmen, zum Scheitern verurteilt.

Was dann natürlich wieder ein Anknüpfungspunkt an "erwachsenere Themen" ist und wie man diese gestalten könnte. Siehe besagter Thread. Wie man es besser NICHT machen sollte, siehe oben. Es sei denn, man sägt gerne an dem Ast, auf dem man selbst sitzt, also der Serie ;-)

Habt ihr auch solche "Problemthemen" bzgl. DDF in der aktuellen Phase?
danielcc
Bob Andrews
Bob Andrews
Beiträge: 181
Registriert: So 17. Mär 2024, 12:55
Wohnort: Seaside
Geschlecht: Männlich
"Gefällt mir" erhalten: 21 x
Status: Offline

Re: Probleme der heutigen Serienphase

Beitrag von danielcc »

Ich kann hier nur anhand der Hörspiele auf die Bücher schließen, wobei ich auch vor rund 20 Folgen mit den Hörspielen aufgegeben habe. Es ist nicht ganz leicht zu differenzieren was ein reines Minninger/Skript/Produktions-Problem ist, was ein Sprecher Problem ist, und was letztlich an der zugrundeliegenden Story liegt.
Dennoch:

1. "Grusel und mysteriöse Erscheinungen": Hier gebe ich dir voll Recht! Erstens wirken diese Elemente heute erzwungen eingebaut, zweitens nehmen die drei (erwachsenen) Sprecher und ihre Figuren diese Erscheinungen oft von Anfang an nicht mehr für real, und drittens sind die Elemente oft nur Randnotizen in einer größeren Story.

2. Die Stories haben eine unnötige Komplexität. Die echten Klassiker haben oft einen total linearen Aufbau oder folgen einem klaren Schema wie "3 Begegnungen mit dem Phänomen bis zur Auflösung". Heute mäandern die Stories so vor sich hin, es wird viel erzählt aber wenig gesagt, und am Ende braucht man doch 10 Seiten um durch Justus alles aufzudecken was man vorher gar nicht erzählt hat!

3. "Stick to the Story": Zumindest die Hörspiele hatten damals einen VIEL geringeren Anteil an Frotzeleien und Dialogen die nicht zum Fall gehören. Teilweise ist praktisch JEDER Dialog mit Bezug zum Fall. Heute ist es eher andersrum, dadurch wird so viel "gelabert" und wenig gesagt.

4. "Flair": Die Klassiker vermittelten mir (zumindest anhand der Hörspiele) eine viel authentischere, fremde Welt. Indianer, Mexikaner, Hollywood, Schauspieler, Piraten - das ergab zusammen alles so ein glaubhaftes Bild von Kalifornien.

5. Dann ist da noch ein Punkt den ich kaum erklären kann bzw ich habe selbst das Gefühl, dass das sehr subjektiv ist. Ich habe oft das Gefühl, dass Orte und Figuren nicht mehr so eingängige, authentische Namen haben.
Benutzeravatar
Perry Clifton
Boardteam
Boardteam
Beiträge: 984
Registriert: Sa 24. Feb 2024, 10:59
Wohnort: Niedersachsen
Geschlecht: Männlich
"Gefällt mir" gedrückt: 76 x
"Gefällt mir" erhalten: 85 x
Alter: 41
Status: Offline

Re: Probleme der heutigen Serienphase

Beitrag von Perry Clifton »

danielcc hat geschrieben: Fr 31. Mai 2024, 23:18 2. Die Stories haben eine unnötige Komplexität. Die echten Klassiker haben oft einen total linearen Aufbau oder folgen einem klaren Schema wie "3 Begegnungen mit dem Phänomen bis zur Auflösung". Heute mäandern die Stories so vor sich hin, es wird viel erzählt aber wenig gesagt, und am Ende braucht man doch 10 Seiten um durch Justus alles aufzudecken was man vorher gar nicht erzählt hat!
Absolut, das ist ein Punkt, den ich auch nennen würde. Das Problem ist ja nicht, dass Stories etwas komplizierter wären als früher. Sowas könnte mitunter ja sogar gut sein. Aber manchmal sind diese wirklich schlecht konstruiert, so dass man sich als Leser nicht nur von Szene zu Szene hangelt, ohne etwas zu verstehen, nein, der Autor hat sich anscheinend selbst nicht viel dabei gedacht, denn am Ende folgt eine ellenlange, komplizierte Erklärung mit Sachen, die man nichtmal ahnen konnte, um alles irgendwie zu verbinden und zu rechtfertigen. Völlig an den Haaren herbeigezogen und in zehn Seiten Monolog.
danielcc hat geschrieben: Fr 31. Mai 2024, 23:18 3. "Stick to the Story": Zumindest die Hörspiele hatten damals einen VIEL geringeren Anteil an Frotzeleien und Dialogen die nicht zum Fall gehören. Teilweise ist praktisch JEDER Dialog mit Bezug zum Fall. Heute ist es eher andersrum, dadurch wird so viel "gelabert" und wenig gesagt.
Interessanterweise wird ja gerade das "Stick to the Story" manchmal von Fans kritisiert, als ob das etwas Schlechtes wäre... ;-) Ich war allerdings auch immer dafür.
danielcc hat geschrieben: Fr 31. Mai 2024, 23:18 4. "Flair": Die Klassiker vermittelten mir (zumindest anhand der Hörspiele) eine viel authentischere, fremde Welt. Indianer, Mexikaner, Hollywood, Schauspieler, Piraten - das ergab zusammen alles so ein glaubhaftes Bild von Kalifornien.

5. Dann ist da noch ein Punkt den ich kaum erklären kann bzw ich habe selbst das Gefühl, dass das sehr subjektiv ist. Ich habe oft das Gefühl, dass Orte und Figuren nicht mehr so eingängige, authentische Namen haben.
Es ist halt ein Unterschied, ob man z.B. Santa Barbara von Google Maps kennt oder dort gelebt hat ;-)

Das kann man natürlich deutschen Autoren generell nicht ankreiden. Aber in manchen Fällen wirkt Rocky Beach auch deutscher als TKKGs Millionenstadt. Und das muss echt nicht sein.
Antworten

Zurück zu „Sonstiges (??? Sonstiges)“