Buch Bewertung: ??? - Geisterstadt

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Buch Bewertung: ??? - Geisterstadt

Beitrag von Zentrale »

Buch - Geisterstadt

Über Nacht wird aus harmlosen Skiferien in den Bergen eine gefährliche Suche im Kriminalfall Oames. Der Gastgeber der drei ???, der berühmte Spieleverleger Michael Julius Oames, ist entführt worden. Die Kidnapper fordern eine Million Dollar. Eine Menge Geld, finden Justus, Peter und Bob und beschließen, der Polizei von Lake Tahoe unter die Arme zu greifen. Kann Oames' Vergangenheit Licht in die Sache bringen? Da stoßen sie auf eine heiße Spur. Sie führt direkt in eine Geisterstadt.

Cover: Aiga Rasch
Autor: Brigitte Johanna Henkel-Waidhofer
Verlag: Kosmos
Veröffentlichungsdatum: 2011
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Perry Clifton
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Re: Buch Bewertung: ??? - Geisterstadt

Beitrag von Perry Clifton »

Ich wollte mal wieder eines von BJHWs gelungeneren Büchern lesen, um sie mit aktuellen Autoren zu vergleichen. Geisterstadt war mir als eine ihrer besten Folgen in Erinnerung geblieben. Was mir sofort auffiel: BJHW ist ein bisschen schwerer zu lesen. Sie formuliert etwas umständlicher. Man gewöhnt sich allerdings nach ein paar Seiten daran und sie hat zumindest einen eigenen Stil, wie auch immer man den beurteilt.

Es gibt zwei große Knackpunkte, die das Buch unnötig herunterziehen. Der erste ist natürlich der Titel. Im Hörspiel kommt die Geisterstadt überhaupt nicht vor und im Buch wird sie quasi auf einer Seite abgehandelt (Vriginia City, frühere Geisterstadt, heute 2000 Einwohner usw.), um dann einfach kurz der Ort für unspektakuläre Dinge zu sein, bevor es weitergeht. Natürlich wollte man hier das klassische DDF-Geisterthema im Titel bemühen, was der Inhalt dann aber nicht rechtfertigen konnte. Das ist deshalb sehr schade, weil der tatsächliche Inhalt das überhaupt nicht nötig gehabt hätte. Aber dazu später mehr. Der zweite Punkt ist das Einstiegskapitel. Hier gibt es BJHW von ihrer schlechtesten Seite. Es liest sich, wie die aufregenden Erlebnisse einheimischer Hausfrauen und -männer im Abenteuerland der eigenen Küche. Nach dem ersten Kapitel gibt es aber einen deutlichen Schnitt und es zieht unvermittelt ein anderer Ton in die Geschichte ein. Übrigens: Das ganze erste Kapitel schreit laut "Kürzungspotenzial"! (Warum hörte nur keiner?) ;-)

Zum Schauplatz und zur Atmosphäre: Alles sehr gelungen ausgewählt und umgesetzt. Gute Ortskenntnisse und detaillierte Beschreibungen. Dabei kommt echtes USA-Feeling auf, welches später in der Serie so oft vermisst wird. Spontan denke ich auch an Giftiges Wasser, wo BJHW das ebenfalls sehr gut hinbekommen hat. Dazu gehört mehr, als nur ein oder zwei Namen und Straßen zu googeln. Man lernt Lake Tahoe und Umgebung kennen, als würde man selbst dort Urlaub machen. So kann man dann auch in die Story eintauchen.
Noch einige Kleinigkeiten: Ich wusste gar nicht mehr, dass BJHW soviele Anspielungen auf alte Fälle in ihre Bücher eingebaut hatte! Oames wird als "schrulliger Millionär" bezeichnet, es gibt ein "Silberminenspiel" und eine Figur heißt Deborah Street (die Schwester von Danny?) Hätte ich persönlich nicht gebraucht, aber andererseits ist es mir so lieber als Auftritte nach dem Schema: Hallo, ich bin's, Millionär Pilcher. Ich bin nur mal kurz vorbeigekommen, um keine Rolle zu spielen, und damit die Fans sich an früher erinnern! Tschö!

Bei der Handlung zeigt sich deutlich, wo BJHW zumindest in diesem Buch weit die Nase vorn hat, verglichen mit vielen aktuellen Büchern. Bevor jetzt jemand schreit: Hier muss man deutlich zwischen Buch und Hörspielumsetzung unterscheiden. Im Hörspiel sind viele Kleinigkeiten weggefallen, die das Bild abrunden und die die Handlung verständlicher und flüssiger machen. Dafür hat man einiges Unnötige dringelassen. Zumindest was dieses Buch angeht, hat BJHW ihren Ruf als konfuse Plotgestalterin wohl eher dem Hörspiel als ihrer Geschichte zu verdanken. Es ist vielmehr so, dass es sich hier um einen waschechten, gelungenen Krimi handelt, der nachvollziehbar aufgebaut wird, nichts aus dem Hut zaubern muss und trotzdem nicht gänzlich vorhersagbar ist. Genau das ist es, was ich gerne öfter lesen würde. Dann sind auch keine ständig bemühten Geister mehr nötig und man könnte diesen Aspekt der Serie zugunsten einer Weiterentwicklung hinter sich lassen. So ungefähr, wie es auch bei den Perlenvögeln und einigen anderen Folgen gemacht wurde. Man braucht auch keinen Action- oder Psychothriller und keine 90% verwirrender Handlungsstränge mit ermüdender, weit hergeholter Auflösung am Ende. Aber zurück zu dieser Folge: Die Handlung ist logisch und ergibt Sinn. Zugegebenermaßen muss man an einigen Stellen etwas länger nachdenken, aber es passt alles zusammen und wirkt am Ende nicht künstlich konstruiert, sondern glaubhaft. Es gibt so gut wie keine Logiklöcher. Nur die Komplizenrolle des Anwalts/Greenwaters/des Technikers etc. und wer wann wie in der Villa rumgelispelt hat... das war etwas verwirrend und hätte besser erklärt werden können. Es ist aber nicht so, dass dadurch die ganze Handlung ins Wanken gerät. Alles andere war gut nachzuvollziehen (im Buch) und man kann sich, was diese Komplizen angeht, durchaus selbst ein Bild zusammenreimen. Allerdings hätte BJHW mit ein wenig mehr Klarheit hier noch Punkten können. Trotzdem, die Handlung, die Figuren und besonders die Charaktere sind alle realistisch und interessant. Es gibt keine starken Überzeichnungen und Karikierungen, wie es heute regelmäßig der Fall ist. Das Ganze ist von Grund auf nachvollziehbar und realitätsnah. Das muss man ansonsten meist mit der Lupe suchen.

Um näher auf die Charaktere einzugehen: Mit Oames wird eine interessante Persönlichkeit beschrieben, was im Hörspiel fast völlig unter den Tisch fällt. Dafür kommt dann dort Justus' Bemerkung mit Proust VÖLLIG dämlich rüber, da sie komplett aus dem Zusammenhang gerissen wird. Im Buch gibt es viele Hinweise auf Oames' Charakter, die Proust-Stelle fügt sich viel besser ins Gesamtbild ein (wobei Justus hier zunächst selbst denkt, dass der Spruch etwas zu dick aufgetragen war) und der Gedanke spielt dann am Ende nochmal eine wichtige Rolle. Im Hörspiel funktioniert das Ganze überhaupt nicht und wirkt pathetisch-aufgesetzt, im Buch dagegen passt es zusammen und gibt der Geschichte sogar einen literarischen Subtext, mit dem BJHW etwas geleistet hat, was selbst in den Klassiken nicht selbstverständlich war und heute gar nicht mehr vorkommt: Sie hat dem Buch eine literarische Bedeutungsebene gegeben. Ja genau, ausgerechnet BJHW. Und ja, im Buch funktioniert diese Ebene. Gerade, weil die anderen Charaktere so treffend gezeichnet werden, mit ihren positiven und negativen Eigenschaften und ihren resultierenden Verhaltensweisen.
Die drei Detektive werden hier übrigens auch wohltuend charaktergetreu dargestellt. Sie sind keine Überzeichnungen ihrer selbst und keine wandelnden Selbst-Klischees. Deshalb glaubt man sie als Figuren hier noch. Sie sind auch keine absolut engelhaften Saubermänner, mit denen man dann Fälle stricken kann, wo sie "zum Kriminellen" verführt werden, um das dann als "abseits von Gut und Böse" anpreisen zu können und sich an "moralischen Grauzonen" zu ergötzen, die man dann aufgetan zu haben meint. Hier trägt Justus ein langes Messer griffbereit im Stiefel, Bob knackt routiniert Autos und Peter "der Dietrich" Shaw öffnet jede Tür im Handumdrehen und ohne Bedenken. Trotzdem sind sie die "Guten", aber wiederum auch keine Moralapostel oder Musterknaben. Sie streiten sich hier auch mal, aber nicht so giftig wie heute oft, Peter und Bob kritisieren Justus' Art, ohne dass gleich ein Drama daraus wird, und sie schätzen ihn dann auch wieder, weil sie viele Fälle ohne ihn nie gelöst hätten. Wann hat das eigentlich angefangen, dass man aus solchen Kleinigkeiten emotionale Katastrophen macht und ganze Stories damit erzeugt? Auch gibt es hier ein Familiendrama, das nicht kitschig und pathetisch wird und es gibt sogar blutige Aspekte (Ohr abschneiden und mit der Post schicken wollen) was man ja angeblich gar nicht in der Serie darf. Wer sagt das eigentlich? Natürlich kann man sowas machen. Man muss es nur können. Und in der Darstellung angemessen bleiben.

Fazit: Umgebung, Charaktere und Handlung ergeben hier ein stimmiges Bild, das BJHW zu einem gelungenen Krimi geschmiedet hat, wie es sie in der Serie gerne viel häufiger geben dürfte. Und wenn die Serie in Zukunft mehr in diese Richtung gehen würde und man die mittlerweile nur noch lustlos bemühten Geistererscheinungen wegließe, hätte ich nichts dagegen. Das Hörspiel kann dem Buch nicht das Wasser reichen, was, soweit ich mich erinnere, zumindest auch bei Geheimnis der Särge, Schatz im Bergsee, Giftiges Wasser und Späte Rache der Fall ist. Und BJHW hat zwar zu Recht für vieles Kritik einstecken müssen, hat aber auch ein paar Highlights zu bieten und müsste sich neben den aktuellen Autoren insgesamt nicht verstecken.

Da das Buch z.B. durch die Anfangsszene noch etwas unter seinem eigenen Potenzial bleibt, gibt es eine 2 plus.
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